„Was kostet Baureinigung pro m²?" ist die häufigste Preisfrage, die wir von Bauherren und Hausverwaltungen bekommen. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an — und das ist kein Ausweichen, sondern eine echte Besonderheit der Branche.
Anders als bei regelmäßiger Unterhaltsreinigung, wo ein Stundensatz multipliziert mit geplanter Dauer einen planbaren Monatspreis ergibt, sind bei Baureinigung zwei Faktoren besonders volatil: der Verschmutzungsgrad und die Phasenanzahl. In diesem Artikel zeigen wir:
- realistische m²-Preisspannen für die häufigsten Bauendreinigungs-Szenarien
- welche Faktoren den Preis um 50 bis 100 % verschieben können
- was in einem seriösen m²-Preis enthalten sein muss
- wie Sie Angebote fair vergleichen, auch wenn sie unterschiedlich aufgebaut sind
Realistische m²-Preise in Hamburg
Die folgenden Werte sind Marktrichtwerte für Bauprojekte in Hamburg und im norddeutschen Umland. Sie ersetzen kein konkretes Angebot.
Wohnbau (Einfamilienhaus, Eigentumswohnung)
- Bauendreinigung nach DIN 77401: 3,00 € bis 5,50 € netto pro m²
- Reine Feinreinigung (nach vorheriger Grobreinigung durch andere): 2,00 € bis 3,50 € netto pro m²
Ein 150-m²-Einfamilienhaus kostet demnach zwischen etwa 450 € und 825 € netto in der reinen Endreinigung — wenn der Vorzustand „normal" ist.
Gewerbebau (Büros, Praxen, Einzelhandel)
- Bauendreinigung mit Hygienestandard (z. B. Arztpraxen): 4,50 € bis 7,00 € netto pro m²
- Standard-Gewerbebauendreinigung: 3,50 € bis 5,00 € netto pro m²
Hygieneanforderungen (Praxen, Kitas, Labore) schlagen 15 bis 25 % auf, weil Wischsysteme, Desinfektion und Dokumentation aufwendiger sind.
Großprojekte (Mehrfamilienhäuser, Bürokomplexe)
- ab 2.000 m² Bezugsfläche: 2,50 € bis 4,00 € netto pro m²
Mengeneffekte machen sich bei großen Flächen positiv bemerkbar. Unter diesem Richtwert wird es meist unseriös — entweder werden Teilbereiche ausgelassen oder die Kalkulation unterbietet den Mindestlohn.
Die fünf Preis-Faktoren
1. Verschmutzungsgrad
Der größte variable Faktor. Ein Rohbau-Ende mit ordentlich arbeitenden Vorgewerken (wenig Silikon, wenig Zementschleier, wenig Farbflecken) ist halb so aufwendig wie einer, bei dem diese Rückstände Flächen- und Oberflächen-übergreifend verteilt sind. Eine Vor-Ort-Besichtigung ist deshalb nicht optional.
2. Materialvielfalt
Ein Objekt mit homogenen Bodenbelägen (nur Feinsteinzeug, nur Parkett) ist schneller zu reinigen als eines mit fünf verschiedenen Bodenarten plus Naturstein plus offenporigen Flächen. Jede Materialart braucht andere Reinigungsmittel und andere Wischsysteme.
3. Fenstermenge und Glasfassaden
Fensterreinigung innen und außen ist Teil der Bauendreinigung nach DIN 77401 und fällt pro Fenster stärker ins Gewicht als pro m² Bodenfläche. Ein Objekt mit großen Glasfassaden (Showrooms, Praxen, moderne Büros) kostet pro m² bis zu 30 % mehr als eines mit wenig verglasten Flächen.
4. Zugänglichkeit und Arbeitssicherheit
Höhenarbeiten über 3 Meter, schwer erreichbare Bereiche (Lichtkuppeln, Flachdächer mit Rückständen), enge Treppenhäuser ohne Aufzug — alles Faktoren, die den Zeitaufwand und die Sicherheits-Ausrüstung erhöhen.
5. Termindruck und Zuschläge
Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit ist tarifvertraglich bezuschlagt. Bei VOB-Projekten mit engem Übergabefenster wird das relevant — sprechen Sie das vor der Beauftragung an, damit der Preis verbindlich bleibt.
Was in einem seriösen m²-Preis enthalten sein muss
Ein belastbares Angebot listet explizit auf, was im m²-Preis enthalten ist:
- Entfernung aller Bauschmutz-Rückstände (Staub, Späne, Verpackungsmaterial)
- Reinigung aller Bodenbeläge inkl. Entfernung von Silikon-, Zement- und Mörtelresten
- Fensterreinigung innen und außen mit Rahmen, Griffen und Fensterbänken
- Sanitärgrundreinigung inkl. Entkalkung
- Reinigung von Türen, Zargen und Beschlägen
- Entfernung von Schutzfolien und Klebstoffen
- Entstaubung aller Wand-, Decken- und Einbauflächen
- Entsorgung der bei der Reinigung anfallenden Abfälle
- Dokumentation (bei VOB-Projekten Pflicht)
Was oft nicht enthalten ist (und separat angeboten werden sollte):
- Außenanlagen, Balkone, Terrassen
- Tiefgarage
- Kellerbereiche außerhalb des Nutzraums
- Entfernung größerer Bauschuttmengen
- Grundreinigung von Einbaumöbeln und Küchen-Innenflächen (oft Sonderposition)
So vergleichen Sie Angebote fair
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Fordern Sie m²-Preise für dieselben definierten Flächen an. Wenn Anbieter A 500 m² kalkuliert und Anbieter B 480 m² (weil Flure ausgenommen), sind die Zahlen nicht vergleichbar.
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Prüfen Sie die Phasenaufteilung. Grob- / Zwischen- / Endreinigung sind drei verschiedene Leistungen. Ein günstiges „Endreinigungs"-Angebot verdeckt oft, dass keine Zwischenreinigung enthalten ist.
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Fragen Sie nach DIN 77401. Wenn der Anbieter die Norm nicht benennt oder ausweichend reagiert, ist Vorsicht geboten — die Norm ist der Branchenstandard und sollte auf Rückfrage selbstverständlich sein.
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Klären Sie Entsorgungskosten. Bauabfälle müssen irgendwo hin. Seriöse Anbieter nennen die Entsorgungskosten separat und transparent.
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Prüfen Sie Versicherungsnachweis und BG BAU-Mitgliedschaft. Unfälle auf Baustellen sind die Ausnahme — wenn sie passieren, wollen Sie abgesichert sein.
Fazit
Der pauschale m²-Preis für Baureinigung ist eine nützliche erste Orientierung, aber kein Endpreis. Für Wohnbau in Hamburg bewegen sich seriöse Angebote zwischen 3,00 € und 5,50 € netto pro m², für Gewerbebau zwischen 3,50 € und 7,00 €. Deutlich darunter wird es fast immer unseriös, deutlich darüber nur bei besonderen Anforderungen gerechtfertigt.
Ein verbindlicher Preis entsteht erst nach Vor-Ort-Besichtigung, in der Flächen gemessen, Verschmutzungsgrad beurteilt und besondere Anforderungen geklärt werden. Bei seriösen Anbietern ist diese Besichtigung kostenlos.