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DIN 77400 Schulreinigung — was Träger und Schulleitungen wissen sollten

Die DIN 77400 legt fest, wie Schulen sauber und hygienisch bleiben. Was die Norm zu Reinigungsintervallen vorschreibt, wie Ausschreibungen daran ausgerichtet werden — und warum die Ferien-Grundreinigung das Herzstück ist.

Marco Motyl13. Juli 20266 Min Lesezeit
Branche

Schulen sind stark frequentierte Gebäude mit besonderen Hygieneanforderungen. Zwischen Grippewellen im Winter und Norovirus-Ausbrüchen im Frühjahr entscheidet die Reinigungsqualität mit darüber, wie viele Unterrichtstage tatsächlich stattfinden. Der Referenzstandard, an dem sich Träger, Schulleitungen und Reinigungsunternehmen orientieren, ist die DIN 77400 — Reinigungsdienstleistungen; Schulgebäude — Anforderungen an die Reinigung.

In diesem Artikel zeigen wir:

  • was die DIN 77400 überhaupt regelt und für wen sie gilt
  • welche Reinigungsintervalle die Norm für welche Bereiche vorsieht
  • warum Farbcodierung und getrenntes Equipment mehr sind als Bürokratie
  • was die Grundreinigung in den Ferien leisten muss
  • worauf Träger und Schulleitungen bei der Ausschreibung achten sollten

Was regelt die DIN 77400?

Die DIN 77400 ist eine Dienstleistungsnorm für die Reinigung von allgemein- und berufsbildenden Schulen sowie zugehörigen Sportstätten. Sie gilt unabhängig davon, ob die Reinigung intern durch angestelltes Personal oder extern durch ein Reinigungsunternehmen erbracht wird. Die aktuelle Fassung ist DIN 77400:2015-09, sie hat die ältere Version von 2003 abgelöst.

Die Norm beschreibt vier Kernbereiche:

  • Reinigungsintervalle — wie häufig welche Fläche gereinigt werden muss
  • Verfahren und Hilfsmittel — welche Techniken für welche Oberflächen zulässig sind
  • Hygienische Trennung — wie Bereiche mit unterschiedlichem Kontaminationsrisiko getrennt bearbeitet werden
  • Qualitätsnachweis und Dokumentation — wie Träger die Einhaltung nachprüfen können

Sie ist keine Rechtsvorschrift und gilt nur, wenn sie im Reinigungsvertrag oder in der Ausschreibung ausdrücklich vereinbart wird. In öffentlichen Ausschreibungen ist genau das aber die Regel — die Norm liefert Trägern eine belastbare Grundlage für die Bewertung von Angeboten.

Reinigungsintervalle — was wo wie oft

Der wichtigste Teil der DIN 77400 sind die Reinigungsfrequenzen. Sie richten sich nach Nutzung und Hygienerisiko des Bereichs. Die wichtigsten Kategorien im Überblick:

Täglich zu reinigen

  • Sanitärbereiche (WCs, Waschbecken, Urinale, Duschen, Umkleiden)
  • Küchen und Speiseräume, Mensen
  • Verkehrsflächen im Erdgeschoss (Eingangshallen, Flure)
  • Sporthallenböden bei täglicher Nutzung
  • Handkontaktflächen wie Türklinken und Lichtschalter in Sanitärbereichen

Mehrmals wöchentlich

  • Tische und Stühle in Klassenräumen (je nach Nutzungsintensität)
  • Waschbecken in Klassenräumen
  • Handkontaktflächen in Fluren und Treppenhäusern

Wöchentlich

  • Klassenraumböden und Flurböden ab dem ersten Obergeschoss
  • Türen, Türgriffe und Lichtschalter in Klassenräumen
  • Wandtafeln und Whiteboards (Kanten und Rahmen)
  • Papierkörbe (Grundreinigung)

Monatlich oder seltener

  • Schränke, Regale, Ablageflächen
  • Wenig genutzte Räume wie Archive, Lagerräume, Aula
  • Fensterbänke und Heizkörper (oberflächliche Entstaubung)
  • Hoch- und Tiefreinigung schwer erreichbarer Stellen

Zwei- bis dreimal jährlich

  • Fensterreinigung innen und außen (regional unterschiedlich; in Hamburg wegen Feinstaub und Pollen oft vier Durchgänge sinnvoll)
  • Grundreinigung der Bodenbeläge (typischerweise in den Sommer- und Osterferien)

Diese Intervalle sind Mindestanforderungen. Ein Träger kann sie erhöhen — beispielsweise wenn eine Grundschule mit Ganztagsbetrieb bis 17 Uhr belegt ist, greift die tägliche Sanitärreinigung nicht mehr aus, dann sind zwei Durchgänge pro Tag realistisch.

Farbcodierung, getrennte Bereiche und warum das kein Zierrat ist

Ein oft unterschätzter Teil der DIN 77400 ist die strikte Trennung von Reinigungsutensilien nach Bereich. Das Prinzip: Ein Wischbezug, ein Tuch, ein Eimer, die im Sanitärbereich verwendet wurden, kommen nie in einen Klassenraum. Umgekehrt kommen Utensilien aus Küchen oder Mensen nie in Sanitärbereiche. In der Praxis funktioniert das über eine standardisierte Farbcodierung, meist:

  • rot — Sanitär, WCs
  • gelb — Waschbecken, Duschen (Handkontaktbereich in Sanitär, nicht WC)
  • blau — allgemeine Flächen, Klassenräume, Flure
  • grün — Küche, Mensa, lebensmittelnaher Bereich

Der Grund ist mikrobiologisch. Fäkalkeime, die über einen roten Wischbezug ins Klassenzimmer wandern würden, sind eine reale Übertragungsquelle für Magen-Darm-Infektionen. Das Robert Koch-Institut listet Schulen und Kitas regelmäßig als Ausbruchsherde für Noroviren — sauberes Reinigungsmanagement senkt diese Zahl messbar.

Was für Träger daraus folgt: In der Ausschreibung sollte die Farbcodierung als Anforderung stehen, und in der Auftragskontrolle sollte sie stichprobenhaft überprüfbar sein.

Die Ferien-Grundreinigung — mehr als „einmal durchwischen"

Während des Schuljahres läuft die Unterhaltsreinigung außerhalb der Unterrichtszeiten. Sie hält die Nutzung möglich, kann aber nur an der Oberfläche arbeiten. Die eigentliche Substanzpflege passiert in den Ferien — vor allem im Sommer.

Was gehört in eine Ferien-Grundreinigung nach DIN 77400?

  • Bodengrundreinigung — Entfernen des alten Pflegefilms, ggf. Nassschruppen, anschließend Neuversiegelung mit passender Dispersion. Klassenraumböden aus PVC oder Linoleum brauchen diesen Zyklus, sonst wird der Belag über Jahre stumpf und angreifbar.
  • Sanitärintensivreinigung — Entkalkung aller Armaturen und Fliesenfugen, Grundreinigung der WCs, Kontrolle und ggf. Nachfüllen der Seifen- und Handtuchspender.
  • Fensterreinigung komplett — innen und außen, Rahmen und Fensterbänke, Rollläden oder Sonnenschutz.
  • Reinigung von Türen, Zargen, Schränken, Regalen einschließlich Innenflächen, die im laufenden Betrieb kaum zugänglich sind.
  • Wandflächen im Handkontaktbereich — Fingerabdrücke, Filzstift-Rückstände, Aufkleber.
  • Sporthalle und Umkleiden — Sportboden je nach Belag pflegen (Linoleum, PVC, Parkett brauchen jeweils andere Verfahren), Prallwände und Bänke reinigen.

Der Zeitrahmen dafür ist eng. In Hamburg und Niedersachsen liegen die Sommerferien bei rund sechs Wochen, davon werden meist zwei bis drei Wochen für die Reinigung verplant — der Rest ist Puffer für Handwerker, Umbauten und die Rückkehr des Personals. Wer eine mittelgroße Schule (etwa 1.500 bis 2.500 m² Nettonutzfläche) grundreinigen lässt, arbeitet realistisch mit Teams von vier bis acht Kräften über sieben bis zehn Werktage.

Diese Richtwerte gelten für den Landkreis Harburg und Hamburg — der genaue Aufwand hängt von Belag, Zustand und Zusatzarbeiten (etwa Malerarbeiten in Nebenräumen) ab und ergibt sich erst aus der Vor-Ort-Besichtigung.

Was Träger bei der Ausschreibung beachten sollten

Die DIN 77400 hilft nur, wenn sie in der Ausschreibung sauber referenziert und im Vertrag verankert wird. Vier Punkte sind aus unserer Sicht ausschlaggebend:

1. Leistungsverzeichnis nach DIN-Kategorien. Ein gutes Leistungsverzeichnis listet Flächen nach Nutzungsart (Sanitär / Klassenraum / Flur / Küche / Sport) mit Quadratmetern und der geforderten Frequenz. Damit können Anbieter sauber kalkulieren — und der Träger vergleichen.

2. Personalstärke und Zeitfenster ausweisen. Wer nur nach Quadratmetern ausschreibt, bekommt Angebote, die rechnerisch billig aussehen, aber in der Praxis nicht funktionieren. Die realistisch benötigte Reinigungszeit sollte im Vertrag stehen — mit Puffer für Ferien-Sonderleistungen.

3. Qualitätskontrolle festlegen. DIN 77400 sieht Sichtprüfungen und stichprobenartige Bewertungen vor. Wer die Qualitätsprüfung im Vertrag verankert (etwa vierteljährliche Begehung mit Protokoll), hat später eine Grundlage für Reklamationen — sonst wird jede Beanstandung zum Einzelfall.

4. Sozialstandards ernst nehmen. In der Gebäudereinigung gilt seit 2026 ein neuer Mindestlohn nach BIV-Tarif. Angebote, die deutlich unter dem realistischen Personalkostenniveau liegen, funktionieren nur über Zeitdruck oder Schwarzarbeit — beides schadet der Reinigungsqualität und am Ende dem Schulhaushalt.

Für Träger im Landkreis Harburg — etwa in Winsen (Luhe), Buchholz oder Stelle — kommt hinzu, dass die Sommerferien die einzige planbare Fenster für die Grundreinigung sind. Wer erst im Juni ausschreibt, wird für den Sommer kaum noch qualifizierte Anbieter finden. Realistisch ist ein Vorlauf von drei bis vier Monaten, bei größeren Ausschreibungen entsprechend länger.

Fazit

Die DIN 77400 ist die technische Klammer für saubere und hygienisch sichere Schulen. Sie schreibt Frequenzen, Verfahren und Trennungen vor, die auf den ersten Blick pedantisch wirken — und die im Alltag darüber entscheiden, ob eine Grippewelle Anfang Februar zum Unterrichtsausfall führt oder nicht. Für Träger ist die Norm ein Werkzeug, das Ausschreibungen vergleichbar macht. Für Schulen ist sie die Grundlage, dass Unterricht ohne Rücksicht auf den Hygieneschutz stattfinden kann.

Für Schulträger, Fördervereine und Sportstättenbetreiber in Hamburg, im Landkreis Harburg und im Umland (Stade, Lüneburg) erstellen wir Angebote zur DIN-77400-konformen Reinigung — sowohl für die laufende Unterhaltsreinigung als auch für die Grundreinigung in den Ferien. Grundlage ist immer eine Vor-Ort-Besichtigung mit Aufmaß und Belag-Bewertung.

Gründer & Geschäftsführer

Marco Motyl

Gründer und Geschäftsführer von D'Amato Dienstleistungen. Über 15 Jahre Erfahrung in Gebäudereinigung und Facility Management, u. a. in Führungsrollen bei Dussmann Service Deutschland.

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